Aus dem Brutto in die eigene Altersvorsorge umwandeln, Steuern und Sozialabgaben sparen, dazu der Pflichtzuschuss vom Arbeitgeber: Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist eines der besten Geld-Geschenke, das das deutsche Steuerrecht 2026 noch hat. Hier ein ehrlicher Blick auf das, was sie wirklich bringt — und auf die Punkte, die viele übersehen.
Was Sie als Arbeitnehmer sparen — auf einen Blick (Stand 2026)
- Bis zu 676 € pro Monat steuerfrei umwandeln (§ 3 Nr. 63 EStG, 8 % der BBG RV West 2026 von 101.400 € = 8.112 €/Jahr).
- Davon 338 € pro Monat auch sozialversicherungsfrei (4 % der BBG RV West = 4.056 €/Jahr, § 1 Abs. 1 Nr. 9 SvEV).
- Pflichtzuschuss vom Arbeitgeber (§ 1a Abs. 1a BetrAVG): mindestens 15 % auf jeden umgewandelten Euro. Viele Arbeitgeber bieten freiwillig mehr — in unserem Beispiel 20 % plus 25 € Festbetrag obendrauf.
- Bis 360 € jährliche Geringverdienerförderung (§ 100 EStG ab 2027), wenn Ihr Brutto unter 3 % der BBG GRV liegt.
Konkretes Rechenbeispiel: 4.000 € Brutto, 200 € Umwandlung
Wir rechnen mit Werten, wie sie auch unser Klara-Gehaltsrechner für unsere Mandanten ausgibt: 20 % AG-Zuschuss plus 25 € Festbetrag vom Unternehmen. Das ist deutlich mehr als die gesetzliche 15-%-Pflicht — und in vielen Versorgungsordnungen Standard.
1. Was passiert mit Ihrem Netto
| Monatlich | Ohne bAV | Mit bAV |
|---|---|---|
| Bruttogehalt | 4.000 € | 4.000 € |
| – Entgeltumwandlung (AN) | — | −200 € |
| SV-/steuerpflichtiges Brutto | 4.000 € | 3.800 € |
| – SV-Beiträge AN (~19,65 %) | −786 € | −747 € |
| – Lohnsteuer (Stkl. I, ~25 %) | −500 € | −450 € |
| Netto auf dem Konto | 2.714 € | 2.603 € |
2. Was geht in Ihre bAV — der Gesamtbeitrag
| Eigenanteil (Ihre Umwandlung) | 200 € |
| + AG-Zuschuss (20 % von 200 €) | +40 € |
| + AG-Festbetrag | +25 € |
| Gesamtbeitrag in Ihre bAV | 265 € / Monat |
3. Was kostet Sie das wirklich?
| Netto-Differenz (was Sie weniger im Geldbeutel haben) | 111 € |
| davon Steuerersparnis | 50 € |
| davon SV-Ersparnis (AN-Anteil) | 39 € |
| Förderquote (was geschenkt ist) | 154 € / Monat |
Auf den Punkt gebracht: Sie verzichten auf 111 € Netto — und es landen 265 € in Ihrer Altersvorsorge. Aus jedem Euro Netto-Verzicht werden 2,39 € Vermögensaufbau. Über 30 Jahre Berufsleben mit moderater Verzinsung sind das schnell sechsstellige Summen.
Hinweis: Vereinfachte Beispielrechnung mit pauschalen Sätzen für 2026 (BBG RV West 101.400 € / 8.450 € pro Monat). Individuelle Werte hängen von Steuerklasse, Krankenkassen-Zusatzbeitrag, Bundesland und Familienstand ab. Die exakten Zahlen rechnen wir mit Ihrer Lohnabrechnung in unserem Klara-Gehaltsrechner persönlich nach.
Geringverdienerförderung — der zusätzliche Bonus
Wenn Ihr Bruttogehalt unter 3 % der Beitragsbemessungsgrenze GRV liegt (2026 noch nach alter Regelung ca. 2.898 € brutto/Monat, ab 2027 dynamisch ca. 3.042 €), kann Ihr Arbeitgeber einen zusätzlichen Beitrag in Ihre bAV zahlen — ohne dass das in Ihr Gehalt umgewandelt wird.
- Maximaler AG-Beitrag: 1.200 € pro Jahr (ab 2027, vorher 960 €)
- Davon erstattet der Staat dem AG 30 %, also bis zu 360 € (vorher 288 €)
- Für Sie als AN: Steuer- und SV-frei, kein Aufwand, kein Lohn-Verzicht
Wenn Sie in einer Position arbeiten, in der Sie grob unter dieser Grenze liegen, fragen Sie bei Ihrem Arbeitgeber gezielt nach der § 100-EStG-Förderung. Viele Arbeitgeber wissen schlicht nicht, dass es diese Möglichkeit gibt.
Was Sie wissen sollten — die ehrliche Seite
Doppelverbeitragung in der Auszahlphase
Bei Verträgen ab 2005 müssen Sie auf die spätere Betriebsrente den vollen Krankenkassen-Beitrag zahlen (nicht nur den AN-Anteil). Das frisst einen Teil des Steuervorteils auf. Seit dem GKV-Betriebsrentenfreibetrag (§ 226 SGB V) ist dieser Effekt ab dem Freibetrag (2026 ca. 187 €/Monat) deutlich entschärft, aber nicht weg.
Etwas weniger gesetzliche Rente
Weil Sie auf einen Teil Ihres Bruttos verzichten, sinken in geringem Umfang Ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung — und damit später Ihre Rente. Der Effekt ist klein im Vergleich zum bAV-Aufbau, aber er existiert. Außerdem mindern sich Ansprüche auf Krankengeld, Arbeitslosengeld und Elterngeld geringfügig.
Insolvenzschutz nur teilweise
Bei Direktversicherung und Pensionskasse läuft Ihr Vertrag direkt mit der Versicherung — eine Insolvenz des Arbeitgebers betrifft Ihr Geld nicht. Bei Direktzusage und Unterstützungskasse springt der Pensions-Sicherungs-Verein (PSV) ein, allerdings begrenzt: maximal das Dreifache der monatlichen Bezugsgröße (2026 ca. 11.220 € Monatsrente).
Eingeschränkte Flexibilität
bAV-Kapital können Sie in der Regel nicht vor dem 62. Lebensjahr auszahlen oder beleihen — auch nicht für eine Baufinanzierung. Wenn Sie eine Auszahlung als Rente starten, können Sie später nicht mehr in eine Kapital-Restabfindung wechseln. Das ist gewollt — Altersvorsorge soll Altersvorsorge bleiben.
Welcher Durchführungsweg passt zu Ihnen?
Die bAV gibt es in fünf Durchführungswegen. Für Arbeitnehmer in KMU sind drei davon relevant:
- Direktversicherung — der häufigste Weg. Der Versicherer verwaltet, Sie sind direkt versichert. Beitrag steuer- und sv-frei nach § 3 Nr. 63 EStG. Vorteil: bei Arbeitgeberwechsel meist mitnehmbar oder privat fortführbar. Empfohlen für die meisten Arbeitnehmer.
- Pensionskasse — eigenständige Versorgungseinrichtung, oft branchenweit (MetallRente, ChemiePension etc.). Gleicher Steuerstatus wie die Direktversicherung. Bei Branchenwechsel manchmal eingeschränkt mitnehmbar.
- Pensionsfonds — höhere Aktienquote möglich, dafür höhere Renditechance. Nur etwa 2–3 % der bAV-Verträge, eher in größeren Unternehmen.
Direktzusage (Pensionszusage) und Unterstützungskasse sind klassische Führungskräfte-Wege — als Arbeitnehmer ohne Sonderkonstellation eher nicht relevant.
Häufige Fragen
Bekomme ich den 15-%-Pflichtzuschuss wirklich immer?
Wenn Ihr Arbeitgeber durch Ihre Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart — ja. Bei Brutto unter der BBG ist das fast immer der Fall. Bei sehr hohen Gehältern (über BBG RV) wird der Zuschuss anteilig auf die tatsächliche Ersparnis reduziert. Details in unserem Artikel zur 15-%-Regel.
Was passiert, wenn ich den Job wechsle?
Drei Optionen: zum neuen Arbeitgeber mitnehmen, beitragsfrei stellen oder privat weiterzahlen. Welche Ihnen am meisten bringt, hängt vom neuen Job und Vertrag ab — siehe unser Artikel zum Arbeitgeberwechsel.
Kann ich die bAV jederzeit kündigen?
Beitragsfrei stellen (also keine weiteren Einzahlungen) ist meist jederzeit möglich. Eine Auszahlung des angesparten Geldes ist erst ab Rentenalter (typisch 62 oder 67) erlaubt. Davor ist das Kapital geschützt — das ist Sinn der Sache.
Wie hoch ist der Steuervorteil bei mir konkret?
Hängt von Steuerklasse, Bruttogehalt und Krankenkassen-Zusatzbeitrag ab. Faustformel: Pro 100 € Entgeltumwandlung sparen Sie etwa 50–55 € Netto und legen 100 € + AG-Zuschuss in die bAV. Eine genaue Rechnung machen wir auf Wunsch im Beratungsgespräch.
Konkret nachrechnen — was bringt Ihnen die bAV?
Wenn Ihr Arbeitgeber Mandant von uns ist, beraten wir Sie kostenlos in einem persönlichen Gespräch — mit Ihrer echten Lohnabrechnung, Ihren Zahlen, Ihrer Lebenssituation. Fragen Sie in Ihrer HR-Abteilung nach uns oder kontaktieren Sie uns direkt. Auch interessant: bBU ohne Gesundheitsprüfung.
Quellen
- Haufe — Steuerliche Verbesserungen der bAV
- AOK — bAV Jahreswechsel Förderbeträge
- Finanztip — Betriebliche Altersvorsorge
- VIS Bayern — Betriebliche Altersvorsorge (Verbraucherinfo)
- Brand Consult — BRSG Arbeitgeberzuschuss
Stand: 1. Mai 2026. Fachliche Einordnung, kein Ersatz für individuelle Rechts- oder Steuerberatung.
